Lucky

Lucky ist die Geschichte eines notorischen Lügners - Victor Blake, oder wie er sich selbst nennt: Lucky - der uns im viktorianischen England neun Kapitel aus seinem Leben erzählt und dabei versucht, uns von seiner Unschuld zu überzeugen. Ein Selbstdarsteller, der immer seinen Kopf aus der Schlinge zieht, die geschundenen Seelen, die unter ihm leiden und ein verhängnisvolles Omen in Form einer nicht sterben wollenden Katze.

Wie wahr seine Erzählungen uns gegenüber sind, bleibt der Inszenierung überlassen.

Genres: Absurdes Theater, Tragödie, Episches Theater, Experimentelles Theater

Personenanzahl: 23 – 30 sind optimal; davon mindestens 12 männlich, 8 weiblich, ansonsten variabel; mit Mehrfachrollen ist die Anzahl an Darstellenden weiter reduzierbar

Spielzeit: Ca. 3 Stunden


Leseprobe

Personen in der Leseprobe:

Lucky - Victor Blake, Erzähler der Geschichte

Victor - wie erzählt von Lucky in verschiedenen Lebensphasen

Irving Troubridge - Trunkenbold und Spieler

Helen Troubridge - Seine Frau

Nachbar - Von Irving und Helen

Shane - Spieler

Calloway - Spieler

Miss Marmalade - Eine schwarze Katze

Eine Szene aus der Mitte des Stücks.

Lucky: Erst später wurde ich zum Connaisseur des Leids, sonst hätte ich sein Ableben vielleicht zu schätzen gewusst. Ich sage das, als gäbe es ein gutes und ein schlechtes Leid. In Wirklichkeit sind wir dem Leid natürlich vollkommen egal – es ist die einzig wirklich neutrale Macht, die doch unser gesamtes Leben bestimmt, - aber die Art zu leiden unterscheidet sich drastisch. So ist unter den richtigen Umständen eine blutig endende ménage à trois deutlich uninteressanter als das Drama eines verlorenen Kartenspiels. Nehmen wir als Beispiel den alten Irving Troubridge und seine geliebte Frau Helen.

Von links nach rechts SHANE, VICTOR & CALLOWAY am Tisch. IRVING TROUBRIDGE etwas abseits, am Trinken vor einer Bibel. Die drei am Tisch beobachten ihn. HELEN TROUBRIDGE & NACHBAR in der Nähe von IRVING, passioniert küssend.

Calloway: Sollte er nicht bei Helen sein?

Victor: Das bringt den beiden wohl inzwischen wenig. Flüstert etwas in CALLOWAYS Ohr, CALLOWAY flüstert weiter zu SHANE. Dieser lacht.

Shane: Der alte Irving kriegt keinen mehr hoch?

Victor: Je betrunkener er ist, desto weniger schafft er es. Und je weniger er es schafft, desto attraktiver ist die Flasche. IRVING trinkt.

Shane: Habt ihr mitbekommen, was Helen ihm vorgeschlagen hat? Flüstert zurück Richtung CALLOWAY.

Calloway: Der Nachbarsjunge?

Shane: Irving hat das erstaunlich gut aufgenommen.

Victor: Er liebt sie ja. Möchte alles für sie tun – und ehrlicherweise wirkt er ganz zufrieden damit. IRVING trinkt. Die anderen drei flüstern.

Shane: Der Nachbar hat wohl was in ihm erweckt. Flüstern wieder.

Calloway: Ob er das mit sich selbst vereinbaren kann?

Victor: …und führe ihn nicht in Versuchung…*

IRVING geht zum NACHBAR und erschießt diesen mit einem lauten Schuss. VICTOR flüstert den anderen beiden etwas zu.

Shane: Er hat versucht, sein Problem zu beseitigen.

Calloway: Aber das Problem ging nicht weg.

Victor: Sicherlich war es nicht die Schuld der Schlange, dass Eva den Apfel zu Adam brachte.

Ein weiterer lauter Schuss als IRVING seiner Frau in den Hinterkopf schießt.

Calloway: Er wollte nicht, dass sie Angst hat, deshalb schoss er ihr in den Hinterkopf. Ich bezweifle, dass sie es bemerkt hat, bevor es vorbei war.

Victor: Und jetzt ist er allein mit dem Problem. Also macht er das Einzige, was er noch tun kann und wenn er dafür in die Hölle kommt.

IRVING TROUBRIDGE, ohne zu zögern, schießt sich in den Kopf.

Lucky: LUCKY hat sich MISS MARMALADE auf den Arm genommen und streichelt sie. Nein, das ist kein gutes Leid. Ich will euch lieber die Geschichte einer Kartenspielerin erzählen, die sich ein paar Jahre früher ereignete.


Neugierig geworden? Über Aufführungsrechte lasse ich gerne mit mir reden - es geht mir nicht darum, irgendjemanden auszunehmen, sondern vor allem, die Stücke einmal auf einer Bühne zu sehen. :)

Kleinere Theatergruppen und Non-Profit-Theater sind herzlich willkommen, wir finden dann bestimmt eine Einigung, mit der alle Parteien zufrieden sind.

Anfragen gerne an: david.st.bauer@gmail.com